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02.07.2010
Ostseezeitung /LOKAL/Grevesmühlen
Kampfansage: Heinze glaubt an Zukunft als Bürgermeister
Der Streit um das Amt des Schönberger Bürgermeisters geht weiter.
Michael Heinze kündigte gestern Abend an, auch weiterhin vor Gericht um
sein Recht kämpfen zu wollen.
(OZ) - Schönberges Ex-Bürgermeister Michael Heinze hat gestern Abend
vor 70 Sympathisanten erklärt, dass er weiter um sein Recht kämpfen
werde. Heinze hatte im Frühjahr Klage beim Verwaltungsgericht
eingereicht, nachdem die Stadtvertretung seine Wahl zum Bürgermeister
von Schönberg für unrechtmäßig erklärt hatte. „Ich werde gewinnen und
dann mein Amt als Bürgermeister aufnehmen“, erklärte er während der
Kundgebung auf dem Schönberger Markplatz.
Die Stadtvertreter hatten nach etlichen ergebnislosen Beratungen ihre
Entscheidung gefällt und sie mit der Tätigkeit Heinzes als „IM Richard“
für das MfS sowie seiner Arbeit als leitender Offizier der
NVA-Grenztruppen begründet.
Inzwischen hat die Stadt ihre Stellungnahme an das Verwaltungsgericht
geschickt, in der kommenden Woche, so Heinze, werde er sich mit seinem
Anwalt zusammensetzen und seinerseits seine Ansichten dem Gericht
darlegen. „Wann es zu einer Verhandlung kommt, kann ich leider nicht
sagen. Dazu gab es bisher keine Angaben von Seiten des Gerichts.“ Auf
jeden Fall sei er zuversichtlich, dass er Recht bekommen werde. In
Sachsen und Thüringen habe es seiner Aussage zufolge ähnliche Prozesse
gegen gewählte Politiker gegeben, sagte Heinze während seiner Ansprache.
In sämtlichen Fällen hätten die Richter zugunsten der Politiker
entschieden. Unter anderem aufgrund ihrer Verdienste nach der Wende.
Zuversichtlich zeigten sich auch die übrigen Redner gestern Abend. Hanno
Tilse sagte: „Seit der Wahl ist mehr als ein Jahr vergangen, und wir
stehen immer noch hier.“ Er prangerte die Vorgehensweise der
Stadtvertreter an, die „die Demokratie mit Füßen treten“. 72 Prozent der
Wählerstimmen seien ein eindeutiges Zeichen. Die Stadt Schönberg führe
einen aussichtslosen Prozess, der nur Geld kosten würde. Das Ergebnis
steht für ihn ebenso fest wie für Michael Heinze, der seinen Gegnern
vorwarf, „dass allein das Tragen einer Uniform der DDR wohl ausreicht,
um Menschenrechtsverstöße begangen zu haben“. Das sei eine pauschale
Verurteilung der ehemaligen DDR-Bürger. „Niemand berücksichtigt die Zeit
von 1990 bis heute.“ Es ginge nur um Dinge, die 20 Jahre zurückliegen
würden.
Kritik gab es nicht nur in Richtung Stadtparlament, sondern auch an die
Adressen von Dennis Klüver und Helmut Preller, die die ganze Geschichte
unmittelbar nach der Wahl ins Rollen gebracht hatten.
„Seit 20 Jahren müssen wir uns sagen lassen, wie wir leben sollen“, so
Astrid Welke. Die Bevormundung und Einmischung sei nicht hinzunehmen.
Weder Klüver noch Preller waren gestern Abend auf dem Schönberger
Markplatz. Helmut Preller hatte im Vorfeld zwar überlegt, sich die Reden
anzuhören, sich dann aber anders entschieden. Gerüchten, dass er
inzwischen sein Haus in Schönberg verkauft habe und wegziehen wolle,
trat er entschieden entgegen. „Ich wohne immer noch in Schönberg“,
erklärte er auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG.
Als nach etwa einer Stunde die Reden beendet waren, atmete Michael
Heinze erleichtert auf angesichts der Unterstützung. Auch wenn es nur
knapp 70 Schönberger waren, die zum Markplatz gekommen waren.
„Ich habe diese Veranstaltung durchgeführt, weil die Leute ein Recht
darauf haben, zu wissen, wie es weitergeht.“ Dass er kämpfen wolle und
sicher sei, dass Schönberg seinen gewählten Bürgermeister bekomme. Dass
er öffentliche zum Mikrofon griff, hat allerdings noch einen anderen
Grund. „Die Stadtvertreter haben mir in den Anhörungen das Rederecht
verwehrt. Dabei wäre das mein gutes Recht gewesen.“
MICHAEL PROCHNOW

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Foto: Günther Bruns
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